Wohnungslosigkeit sichtbar machen: Ausstellungseröffnung im Rathaus

Am 11. September, dem Tag der wohnungslosen Menschen, fand die Eröffnung der Foto-Ausstellung „Mit anderen Augen – Wohnungslosigkeit sichtbar machen“ im Würzburger Rathaus statt. Die Ausstellung ist noch bis 29. September im Würzburger Rathaus zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Wohnungslosigkeit hat sich in Würzburg in den letzten Jahren verdoppelt. „Insgesamt“, so die Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel in ihrer Eröffnungsrede, „gelten in Würzburg circa 1.000 Menschen als wohnungslos.“ Das bedeutet nicht, dass alle diese Menschen ohne jegliche Unterkunft auf der Straße leben, sondern dass sie über kein gesichertes Mietverhältnis verfügen. Ein großer Teil, rund 600 Personen, leben unter sehr prekären Umständen in sog. Verfügungswohnraum, darunter auch 190 Kinder und Jugendliche!

Die Caritas Wohn-Sozial-Beratung hat seit Januar 2026 ein neues Projekt, fit for move family, das sich gezielt an wohnungslose Familien richtet. Ziel ist es, dass die Familien möglichst schnell wieder eine eigene Wohnung finden und die Kinder in stabilen Verhältnissen aufwachsen können.

Was es für eine Familie bedeutet, keine eigene Wohnung zu haben, konnten wir (Caritas Wohn-Sozial-Beratung) in einer Einführung zur Ausstellung näher erklären:

  • Die Kinder haben nicht genügend Platz zum Spielen.
  • Es gibt keinen privaten Rückzugsraum.
  • Schulkinder haben keinen eigenen Schreibtisch und kaum Ruhe, um ihre Hausaufgaben konzentriert erledigen zu können.
  • Am Abend werden Matratzen im Wohnzimmer ausgelegt, damit alle einen Platz zum Schlafen haben.
  • Hinzu kommt, dass sich viele für ihr Zuhause schämen: Kinder merken schnell, dass sie keine Freund*innen nach Hause einladen können.

Es braucht viel Unterstützung bei der Wohnungssuche sowie Vermieter*innen, die Familien mit geringem Einkommen eine Chance geben. Gerade große Familien haben es besonders schwer, in Würzburg eine Wohnung zu finden. Auch weil es kaum Sozialwohnungen für größere Familien gibt und in den letzten Jahren viele Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung gefallen sind.

Die Ausstellung lädt dazu ein, über das Thema Wohnungslosigkeit ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen vor Ort zu suchen.

Das Interesse an der Ausstellungseröffnung war groß. Neben zahlreichen Stadträt*innen waren auch der 3. Bürgermeister Joachim Spatz sowie die Caritas-Vorstände Prof. Dr. Peter Pospiech und Stefanie Kühn vertreten.

V.l.n.r. Bürgermeister Joachim Spatz, Stadträtin Christiane Kerner, Caritas-Vorstand Prof. Dr. Peter Pospiech, Caritas-Vorständin Stefanie Kühn, Stadtrat Manfred Dürr, Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel, Felix Göpfert (Streetwork), Susanne Göckelmann (Haus Antonia Werr), Johanna Anken (Bahnhofsmission), Johannes Kopf (Christophorus Gesellschaft), Esther Schießer (Caritas Wohn-Sozial-Beratung) | Foto: Stefanie Kühn

Zur Ausstellung: Über eine Zeit von drei Monaten hat die Fotografin Sabine Hartl wohnungslose Menschen besucht und ihre Lebenssituation fotografisch festgehalten. Entstanden sind 12 großformatige Portraits. Hinzu kommen 15 Fotografien von zwei Personen, die selbst wohnungslos sind und ihre Perspektive zeigen. Die Ausstellung ist eine Kooperation von der Stadt Würzburg / Fachbereich Soziales mit Streetwork, Bahnhofsmission, Christophorus Gesellschaft, Oberzeller Franziskanerinnen und Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg.

Ein Beitrag zur Ausstellungseröffnung bei Mainfranken TV: Tag der wohnungslosen Menschen – Ausstellung im Rathaus Würzburg eröffnet

Esther Schießer | Caritas Wohn-Sozial-Beratung