Herausforderungen beim Auszug aus Gemeinschaftsunterkünften – Interview mit der Caritas Wohn-Sozial-Beratung

Geflüchtete Menschen in Gemeinschaftsunterkünften stehen vor zahlreichen Hürden, wenn sie – nach Erteilung eines Aufenthaltstitels – eine eigene Wohnung suchen. Welche Barrieren dabei bestehen und wie sie überwunden werden können, war Thema eines Interviews, das der Studierende Jakob Müßig im Rahmen seiner Bachelorarbeit mit den Caritas-Mitarbeiterinnen Heike Bracker und Esther Schießer von der Wohn-Sozial-Beratung führte.

Jakob Müßig beschäftigt sich in seiner Bachelorarbeit an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt unter dem Titel „Barrieren beim Umzug aus einer Gemeinschaftsunterkunft in eine Privatwohnung für Asylbewerber*innen in Würzburg“ mit genau diesen Fragestellungen. Bereits durch seine Tätigkeit in einer Gemeinschaftsunterkunft bringt er praktische Erfahrung und persönliche Einblicke in die Lebenssituation geflüchteter Menschen mit.

Im Gespräch mit der Caritas-Wohn-Sozialberatung ging es unter anderem um die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, um bürokratische Hürden und um Diskriminierungserfahrungen. Bracker und Schießer berichteten, dass viele Geflüchtete trotz intensiver Bemühungen bei der Wohnungssuche sehr lange in den Gemeinschaftsunterkünften wohnen bleiben, weil sie einfach keine eigene Wohnung finden. Grund hierfür sind u.a. komplexe digitale Bewerbungsverfahren, Vorbehalte von Vermieter*innen und ein äußerst angespannter Wohnungsmarkt, der für Menschen mit geringem Einkommen wenige Chancen ermöglicht.

Die Mitarbeiterinnen erklären, dass es zudem auch oft an der Kommunikation mit den Behörden hakt und daher ein großer Beratungsbedarf besteht. Ebenso brauche es mehr Sozialwohnungen, mehr Unterstützungsangebote bei der Wohnungssuche, mehr Hilfe bei der Digitalisierung und mehr Maßnahmen gegen Diskriminierung bei der Wohnungssuche.

Im Interview wurde klar, dass der Übergang von der Gemeinschaftsunterkunft in eine eigene Wohnung weit mehr ist als ein rein organisatorischer Schritt. Für die Familien und Einzelpersonen bedeutet es, endlich richtig in Würzburg anzukommen.

Wir möchten diesen Anlass nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich Vermieterinnen und Vermieter, die benachteiligten Menschen eine Chance geben möchten, gerne bei uns melden können. Unsere Beratungsstelle begleitet das Mietverhältnis von Anfang an und steht Ihnen bei allen Fragen unterstützend zur Seite. Bei Interesse: wsb@caritas-wuerzburg.org

Esther Schießer | Caritas Wohn-Sozial-Beratung

Heike Bracker von der Wohn-Sozial-Beratung und Jakob Müßig beim Interview; Foto: Esther Schießer